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Stillen – meine Erfahrung.

Direkt nach der Geburt, noch im Aufwachraum, habe ich meinen Sohn an die linke Brust angelegt und dachte mir, „Schön, dass alles klappt. Stillen ist ja gar nicht so schlimm und schwer, wie es immer dargestellt wird.“ Er hat also fröhlich vor sich hin getrunken und ist dann eingeschlafen. Soweit so gut. 

Nachdem ich dann in mein Zimmer gebracht wurde, wollte ich ihn rechts angelegen. Er hat die Brust nicht genommen. Jedes Mal, wenn ich ihn angelegen wollte, hat er den Kopf weggedreht. Keiner konnte sich das erklären. Ich wollte eigentlich sechs Monate ausschließlich Stillen. Das war mir wirklich schwer wichtig! Tja, er hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das wusste ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht.   

Mit der linken Brust gab es keine Probleme. Es hat super funktioniert. Nachdem ich mehrfach versucht habe, ihm die rechte Brust zu geben, und es nicht funktioniert hat, wusste ich, dass ich Hilfe brauche. Also habe ich mir Hilfe gesucht. 

Ich habe drei Schwestern auf dem Zimmer gehabt, die alle möglichen Positionen ausprobiert haben. Es kamen Stillhüttchen zum Einsatz und noch ein paar andere Tricks. Es war auch eine Hebamme und eine Stillberaterin da. Er hat die rechte Brust einfach nicht genommen. Mein Sohn wurde auch untersucht, um zu gucken, ob er vielleicht Probleme mit dem Lippenbändchen hat. Da war aber auch alles in Ordnung. Wir haben wirklich ALLES versucht.   

In einem Gespräch mit den Schwestern habe sie mir erklärt, dass es sein kann, dass zu wenig Milch rauskommt und er deswegen nicht saugen möchte. Es bestehe die Möglichkeit, dass sich das mit dem Milcheinschuss erledigt. 

Ich habe den Schwestern dann gesagt, dass ich die Milch solange abpumpten möchte. Sie haben mir eine Milchpumpe gebracht und mir erklärt und gezeigt, wie es geht. Ich dachte, dass vielleicht keine Milch da ist und er deswegen nicht an die Brust will. Die Milchpumpe hat das Gegenteil bewiesen. Es war Milch da. Daran lag es also auch nicht.   

Mein Plan war es also, die Milch abzupumpen und sie ihm mit der Flasche zu geben. Hat auch super funktioniert. Ich hätte es die sechs Monate wirklich durchgezogen! Aufgeben war zu diesem Zeitpunkt keine Option.  

Ich hatte die Hoffnung, dass es daheim vielleicht besser klappt. Mein Gedanke war, wenn wir daheim sind, sind wir beide viel entspannter in gewohnter Umgebung und dann wird das auch schon werden. Ich habe mir kein Stress gemacht und bin ganz locker an die Sache ran gegangenen. 

Na ja, daheim angekommen habe ich es uns gemütlich gemacht und wollte ihn stillen. Siehe da, er wollte die rechte Brust trotzdem nicht. Also habe ich daheim die Milch an der rechten Brust immer abgepumpt und ihm die linke ganz normal gegeben. Für ein paar Tage hat das auch super geklappt. 

Ich hatte auch die Hoffnung, dass er sie vielleicht nach dem Milcheinschuss nimmt. Meinen Milcheinschuss hatte ich sonntags. Trotz Milcheinschuss wollte er die Brust nicht. Da war ich schon nicht mehr so gelassen und locker. Ich war etwas verzweifelt und wusste nicht, was ich tun soll. Das hat wirklich an den Nerven gezerrt. Trotzdem habe ich mit der Kombi stillen und abpumpen weiter gemacht. 

Und dann kam der Montag. Der grauenhafte Montagmorgen. Mein Sohn ist um 7 wach geworden und hatte Hunger. Ich bin mit ihm aufgestanden, zu unserem Stillplätzchen gegangen und wollte ihm die linke Brust geben. Er wollte sie nicht! Eine halbe Stunde haben wir rumgemacht, bis ich ihm die abgepumpte Milch aus dem Kühlschrank aufgewärmt habe. Siehe da, er wollte die Flasche.   

Nachdem er wieder eingeschlafen ist, habe ich noch mal an beiden Brüsten die Milch abgepumpt. Den ganzen Tag über habe ich versucht, ihn anzulegen. Keine Chance! Er wollte auf einmal gar keine Brust mehr, nur noch die Flasche. 

Ich sah´s da und dachte mir, “Was mach ich jetzt? Pumpe ich jetzt die nächsten sechs Monate immer ab oder steige ich um auf PRE Nahrung?”.  

In der Zeit hat mein Mann bereits alle möglichen Berichte über PRE Nahrung durchgelesen. Er sagte mir: “Quäl dich nicht unnötig. Du kannst das nicht erzwingen. Wenn er nicht will, will er eben nicht. Andere Kinder sind auch mit der Flasche großgeworden.” Er hatte ja recht. Trotzdem wollte ich weiter Stillen.  

Ich habe dann meine Hebamme und meine Frauenärztin um Rat gebeten. Meine Hebamme hat mir erklärt, dass es nicht unüblich ist, dass ein Kind die Brust verweigert, wenn es mal die Flasche kennt. Mit der Flasche hat er viel weniger Arbeit, da es einfacher geht. 

Letztendlich habe ich mich dazu entschieden, auf PRE Nahrung umzusteigen. Mir ist diese Entscheidung wirklich sehr schwergefallen und ich habe mir auch lange Vorwürfe gemacht. Selbst nach Wochen habe ich mir noch Vorwürfe gemacht. Ich hatte zwischenzeitlich auch das Gefühl, als Mutter versagt zu haben. 

Die Leute in meinem Umfeld haben mir immer wieder gesagt, dass ich nichts dafürkann. Ich habe alles getan, was mir möglich war. Dennoch habe ich mich sehr schlecht Gefühl, als wir auf die PRE Nahrung umgestiegen sind. Ich kann euch dieses Gefühl gar nicht beschreiben. Man gibt etwas auf, dass man sich von ganzem Herzen gewünscht hat. Ich hatte immer den Hintergedanken, dass ich meinem Kind nicht das geben kann, was es brauch, und das hat mich sehr frustriert.  

Es gab aber auch Mütter, die meinten, ich habe mich nicht genug angestrengt. Klar, wenn bei einem alles superreibungslos klappt, hat man immer leicht reden. In dieser Situation möchte man solche Vorwürfe nicht hören! Man macht sich ja selbst schon welche, da braucht man nicht auch noch die Kommentare anderer Mütter. Man sollte als Mutter einer anderen Mutter nicht unter die Nase reiben, dass es ja bei einem selbst sooooo einfach war. 

Stillen oder Flasche. Es gibt wohl kaum ein größeres Thema, über das sich Frauen streiten können. Selbstverständlich weiß jeder, dass Stillen für das Kind am besten ist. Dennoch sollte man die Entscheidung einer Frau respektierten, wenn sie ihr Kind nicht stillt. Aus welchem Grund auch immer. In manchen Fällen wie meinem, kann man es nicht erzwingen. Das hat nichts mit Egoismus oder Gemütlichkeit zu tun. 

Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich sechs Monate gestillt. Aber es ging nicht. Im Nachhinein habe ich mir viele Gedanken gemacht, was ich hätte anders machen können. Ich weiß aber, dass ich wirklich alles gemacht habe, was ich machen konnte. Ich habe mich damit abgefunden und es akzeptiert, wie es ist. 

Viele Frauen haben Probleme mit dem Stillen und müssen z. B. zufüttern. Auf einmal wollen die Kinder auch nur noch die Flasche, weil es einfacher ist. Es gibt auch Kinder, die die Flasche absolut verweigern und die Mütter den Kindern die abgepumpte Milch gar nicht geben können. Bei manchen Kindern funktioniert beides ohne Probleme. Jedes Kind ist anders. 

Im Krankenhaus lag eine Frau mit mir im Zimmer, die ihr drittes Kind bekommen hat. Sie sagt mir: “Mach dir nicht so viel Druck. Mein erstes Kind habe ich auch nicht gestillt, weil es nicht wollte. Bei den anderen beiden hat alles reibungslos geklappt. Es ist eben, wie es ist!”  

Ich fand es unfair von anderen Frauen, bei denen alles super funktioniert hat, mir das unter die Nase zu reiben oder mich zu kritisieren. Wenn man selbst nie in dieser Situation war, ist man gar nicht dazu in der Lage, das zu beurteilen. 

Als Frauen sollte man einander unterstützen und stärken. Jeder trifft seine eigenen Entscheidungen. Ja, es gibt auch Mütter, die sich beim Stillen nicht wohlfühlen und das nicht machen möchten. Auch wenn man diese Entscheidung nicht nachvollziehen kann, steht es einem nicht zu, sich da einzumischen!  

Jeder ist für sich selbst und sein eigenes Kind verantwortlich, nicht für die Kinder anderer Leute! 

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